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Catrin Bolt :
Orientierungstafeln

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St. Pölten-Viehofen, 2010
Rund um den Großen Viehofner See, 3107 St. Pölten

Information

In Viehofen, einem kleinen Ort neben St.Pölten, gab es in den Jahren 1944 und 1945 zwei Zwangsarbeitslager. Später kam auf das Areal ein künstlicher See, der von der Bevölkerung nun als Freizeitareal - zum Schwimmen, Spazieren und Fahrradfahren - benutzt wird. Wie in Freizeitarealen üblich, habe ich an verschiedenen Orten um den See Orientierungstafeln aufgestellt. Die eigene Position ist mit einem roten Punkt markiert, so dass die/der BetrachterIn versucht, sich zu verorten, dabei aber bemerkt, dass die Tafeln zwar das gleiche Gebiet, aber eine völlig andere Zeit zeigen. Mit Hilfe der Legende ist es möglich, die zwei Zwangsarbeitslager zu definieren.

Es ist nicht allzu bekannt, dass in Viehofen bei St. Pölten von 1944 bis 1945 zwei Zwangsarbeitslager existierten. Ab 1967 wurde auf dem Areal eine Schotteraufbereitungsanlage betrieben. Nach der Einstellung des Betriebs legte die Stadt St. Pölten dort im Jahr 2003 ein Erholungsgebiet mit 2 Seen an. Unter einem der heutigen Seen befand sich allerdings ein Lager mit 126 Juden, daneben eines für nicht-jüdische ZwangsarbeiterInnen. Wie in Freizeitarealen üblich, hat Catrin Bolt hat an verschiedenen Stellen auf dem Areal Orientierungstafeln aufgestellt, auf denen üblicherweise neben dem eigenen Standort besonders schöne Aussichtspunkte oder Wege zu sehen sind. Die aufgestellten Tafeln sind genauso gestaltet, sie zeigen allerdings kein aktuelles Bild des Areals, sondern eine Luftaufnahme von 1945 auf der die Lager deutlich zu sehen sind. Die eigene Position ist mit einem roten Punkt markiert so dass die/der BetrachterIn versucht, sich zu verorten, dabei aber bemerkt, dass die Tafeln zwar das gleiche Gebiet, aber eine völlig andere Zeit zeigen. Mit Hilfe der Legende ist es möglich, die zwei Zwangsarbeitslager zu definieren. Vergangenheit und Gegenwart werden hier überlagert. Catrin Bolt verzichtet auf Pathosformeln sowie auf künstlerische Selbstreferenzialität und fordert mittels einer lapidaren Umlenkung des Blicks auf das nicht mehr Sichtbare eine bewusste Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes ein.
(Cornelia Offergeld)