Jojo Gronostay
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MODE ARBEIT
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Das Projekt von Jojo Gronostay bringt zwei inhaltliche Stränge im Kunstraum zusammen: Einerseits reagiert der Künstler mit seiner Installation auf die am Land vielerorts verschwindende oder bereits verschwundene Struktur von Handel und Nahversorgung und macht andererseits unser globales Konsum- und Verwertungsverhalten zum Thema.
Von April bis September verwandelt Gronostay den Kunstraum mit seinem wandgroßen Schaufenster in ein vermeintliches Modegeschäft, einen Showroom, und gibt mit seiner Installation dem Themenfeld rund um Wert, Entwertung bzw. vermeintlicher Weiterverwertung von Kleidung und den damit in Verbindung stehenden Problematiken der Modeindustrie buchstäblich Raum.
Zu sehen ist eine Auslage mit Kleiderpuppen, die Outfi ts des 2017 vom Künstler gegründeten Modelabels Dead White Men’s Clothes (DWMC) tragen. Der ungewöhnliche Name verweist auf das »Leben« unserer in Europa getragenen Kleidung, nach - dem sie nicht selten über Altkleidercontainer den Weg auf den afrikanischen Kontinent gefunden hat und dort in Ghana auf einem der weltgrößten Umschlagplätze für textile Secondhandware landet. Die Bezeichnung geht auf den ghanaischen Ausdruck »Obroni Wawu« zurück, was sich mit »Kleidung toter weißer Männer« übersetzen lässt. Sie hat ihren Ursprung in den 1970er-Jahren, als erstmals große Mengen gebrauchter Kleidung aus dem »Westen« nach Ghana gelangten. Den Menschen dort erschienen die Textilien aber in so gutem Zustand, dass die Vermutung nahe lag, die ursprünglichen Besitzer und Besitzerinnen seien verstorben und die Kleidung deshalb früh zeitig entsorgt worden.
Die Bezeichnung sagt viel über unsere Wegwerfgesellschaft, Fast Fashion und die dafür benötigte, gering entlohnte Arbeit aus und über die verschiedenen Wertesysteme in Europa oder Afrika. Gronostay durchbricht diese Einbahn-straße der vermeintlichen Verwertung und lässt sie zu einem Kreislauf werden, der sich selbst kritisch hinter-fragt: Er verwendet für seine Modelinie Kleidungsstücke vom Kantamanto-Markt in Accra, bearbeitet sie und bringt sie zurück, um sie im Kunstbetrieb neu mit Wert aufzuladen, an der Schwelle zwischen Kunst und Mode.
Diese neuerliche Wertschöpfung ist aber nicht von Dauer. Im Laufe der Ausstellung werden Kleidungsstücke verschwinden, aussortiert und über den unmittelbar am Kunstraum befindlichen Kleidercontainer wieder zurück in den Zyklus geschleust. Die Nähe von Wert und Wertlosigkeit kann kaum klarer zur Disposition gestellt werden. Und dennoch löst das Projekt ganz bewusst den Widerspruch zwischen den Objekten und ihrer Entsorgung, zwischen Bild und Ware, zwischen moralischer Entlastung und ökonomischer Realität nicht auf – sie macht ihn sichtbar.
Zur Ausstellung erscheint ein Künstlermagazin mit Fotografien von Eric Asamoah, entstanden in Ghana. Im Fokus stehen die sogenannten Wig-Caps, Kappen mit historisch aufgeladenen Perücken, getragen von jungen Menschen; verweisen aus der Gegenwart zurück in die kolonialen Anfänge dieser Tauschbeziehung. Die Fotografien sind nicht als Bilder an der Wand, sondern nur in Heftform sichtbar. Die Bilder und Textbeiträge von Jojo Gronostay, Nuna Adisenu-Doe u. a. fügen der Ausstellung weitere Perspektiven hinzu.