Folke Köbberling
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Wolldach
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Information
Der Park von Schloss Grafenegg ist seit rund 20 Jahren Ort für temporäre wie permanente zeitgenössische künstlerische Setzungen, die sich mit der besonderen Umgebung aus einer gegenwärtigen Perspektive auseinandersetzen. Internationale Kunstschaffende, wie Marc Dion, Bethan Huws, Werner Feiersinger, Little Warsaw oder Flaka Haliti realisierten Projekte, die vor Ort erkundet werden können. Anlässlich der Eröffnung des Rudolf Buchbinder Saals in der sanierten Reitschule kommt nun eine begehbare Skulptur von Folke Köbberling zwischen Reitschule und Wolkenturm hinzu, die einen außergewöhnlichen architektonischen Kontrapunkt setzt und besondere Raum- und Klangerlebnisse ermöglicht. Das Konzept hat im Rahmen eines geladenen Wettbewerbs den Zuschlag für die Umsetzung erhalten.
In ihrer künstlerischen Praxis setzt sich Folke Köbberling u. a. mit akustischen Raumstrukturen und alternativen Baustoffen auseinander. Mit dem Wolldach knüpft sie einerseits an die Auseinandersetzung der bereits im Parkareal befindlichen Kunstwerke an und stellt gleichzeitig neue Bezüge zum Standort her. Es handelt sich um einen Raum, dessen Dach aus in eine Gitterstruktur eingewebter Rohwolle besteht. Die Wolle, die u.a. von den vor Ort weidenden Old English Babydoll Southdown Schafen stammt, ist durch ihre Beschaffenheit ein vielschichtiges Material, das mehrere Sinne anspricht – sie bietet eine einzigartige Haptik und entfaltet im Inneren eine warme, dämpfende Akustik.
Die Künstlerin versteht das Objekt als stillen Gegenentwurf zum imposanten historisierten Schloss, dem Wolkenturm aus Beton, der Reitschule aus Ziegel oder den gelegentlichen Partyzelten aus Plastik und greift damit gleichzeitig einen zentralen Aspekt auf, für den Grafenegg steht: die Musik. Das Wolldach erzeugt einen Raum, in dem die ihn umgebenden, wie im Inneren erzeugten Geräusche oder Klänge in eine warme, dämpfende Akustik getaucht werden und so zum Experimentieren und Improvisieren einlädt. Es ist also nicht nur ein ungewöhnlicher Unterschlupf, sondern auch ein Raum für vielfältige Resonanzen für gemeinsames Hören, für improvisierte Laute.
Darüber hinaus rückt Köbberling bewusst einen vernachlässigten biogenen Rohstoff in den Fokus. Die mit Lanolin getränkte Wollfaser lässt den Regen abperlen, was durch die starke Neigung der Dachflächen unter-stützt wird. Die besondere Materialität bleibt im Inneren von der Witterung nahezu unberührt. Die Außenseite wird sich über die Zeit durch Umwelteinflüsse verfestigen und nicht nur haptisch, sondern auch visuell verändern. In drei Workshoptagen im vergangenen Herbst waren Besuchenden und Interessierte eingeladen, die Wolle der vor Ort grasenden Schafe unter Anleitung in Gitterstrukturen zu verweben, die nun Bestandteil der Dachkonstruktion sind. Währenddessen gab die Künstlerin kurze Einführungen in das Projekt und die besonderen Eigenschaften des Materials und seine baulichen Verwendungsmöglichkeiten. In diesem Zusammenhang wurde z. B. darüber informiert, dass trotz der vielen positiven Aspekte Wolle heute nur noch einen Anteil von etwa 3 Prozent an der weltweiten Faserproduktion im Textilsektor hat. Infolgedessen wird ein großer Teil der Wolle verbrannt. Glücklicherweise rückt allmählich das Bewusstsein von Wolle als nachwachsendem und vielseitigem Baustoff, der 100 % recycelbar und wieder-verwendbar ist, wieder mehr ins Bewusstsein.