Azra Akšamija
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Geschichtete Erinnerungen
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Information
Gedenkort für die Opfer der NS-Medizinverbrechen
Mit diesem im Oktober 2026 errichteten Gedenkort werden die Opfer der NS-Medizinverbrechen der Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling, des heutigen Landesklinikums Mauer, gewürdigt. Er markiert einen durch nationalsozialistische Verbrechen belasteten Ort und gibt den Opfern ihre Namen zurück.
Geschichte
Im Nationalsozialismus wurden Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen als „Ballastexistenzen“ stigmatisiert, diskriminiert und viele von ihnen als „lebensunwert“ ermordet. Das geschah unter dem euphemistischen Deckmantel der „Euthanasie“ – des „Gnadentodes“. Die Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling war Teil dieses Vernichtungsprogramms. Nach heutigem Forschungsstand kamen 2.848 Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus als Patientinnen und Patienten in der Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling waren, ums Leben. 1.260 von ihnen wurden im Rahmen der ersten Phase des Vernichtungsprogramms, der „Aktion T4“, in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet. Jene 1.348, die in Mauer-Öhling starben, wurden überwiegend auf dem Anstaltsfriedhof begraben. In mehreren Transporten wurden Patientinnen und Patienten in die Heil- und Pflegeanstalt Gugging und von dort teilweise weiter in die Heil- und Pflegeanstalt Meseritz-Obrawalde (heute Polen) oder in die Wagner-von-Jauregg Heil- und Pflegeanstalt der Stadt Wien (Am Steinhof) verlegt. Viele von ihnen starben während der NS-Herrschaft. 1944 erfolgte ein Transport von Zwangsarbeitskräften und Kriegsgefangenen vermeintlich nach Linz-Waldegg, sehr wahrscheinlich führte er jedoch ebenfalls in die Tötungsanstalt Hartheim.
Der Gedenkort kennzeichnet einen durch Verbrechen des Nationalsozialismus belasteten Ort. Dieses Feld diente dazu, den überbelegten Anstaltsfriedhof im November 1944 zu erweitern. Bis Kriegsende wurden hier insgesamt 275 Menschen in Einzel- und Sammelgräbern beerdigt. Später geriet der erweiterte Friedhofsbereich in Vergessenheit – ebenso wie die Schicksale der Opfer der NS-Medizinverbrechen. Bei ihren Gräbern handelt es sich um Kriegs- und Opfergräber im Sinne des Kriegsgräberfürsorgegesetzes, die vonseiten des Landes Niederösterreich und des Bundesministeriums für Inneres zeithistorisch aufgearbeitet wurden. Für ihren dauerhaften Erhalt und ihre Pflege sorgt das Bundesministerium für Inneres in Zusammenarbeit mit dem Land Niederösterreich und dem Landesklinikum Mauer.
Konzept „Geschichtete Erinnerungen“
Konzipiert von der Künstlerin und Architekturhistorikerin Azra Akšamija, macht der Gedenkort den ehemaligen erweiterten Friedhofsbereich aus der Zeit des Nationalsozialismus sichtbar. Dabei wird der Landschaftsraum zum Medium des Gedenkens. Das unmarkierte Gräberfeld bleibt unbebaut, um die Würde des Bestattungsortes zu bewahren. Die Leerstelle verweist auch auf den Umgang mit den Opfern im Nationalsozialismus und in den Jahrzehnten danach.Die Mauerelemente und die Gehwege des Gedenkortes kennzeichnen das Areal des ehemaligen Friedhofs und machen durch die Einfriedung seine Ausmaße wieder sichtbar. Das Material der Mauern nimmt zugleich Bezug auf die Todesorte der Opfer: Ziegel stehen für Mauer-Öhling, Kalkstein für Gugging und Am Steinhof, Schiefer für Meseritz-Obrawalde sowie gespaltener Betonstein für Hartheim. Die ineinandergreifenden verschiedenartigen Materialschichten der Gedenkmauer lassen gleichsam eine geologische Darstellung der Erinnerung entstehen, die visuell und physisch erfahrbar ist. Durch die Nennung ihrer Namen und Lebensdaten auf Metallplättchen werden die 2.848 Opfer in Erinnerung gerufen. Ihnen wird ein Stück weit ihre Identität zurückgegeben und ein würdevolles Gedenken ermöglicht. Die Plättchen können sich im Wind bewegen und in Kontakt mit der Mauer und zueinander einen Klang erzeugen. So entsteht eine nicht greifbare, aber stets spürbare Präsenz der Opfer. Ihre Namen stehen auch stellvertretend für alle Patientinnen und Patienten von Mauer-Öhling, die während des Nationalsozialismus Stigmatisierung und Ausgrenzung erfuhren und später an den Folgen der an ihnen verübten Verbrechen litten oder starben.
Initiative: Landesklinikum Mauer
Projektträger: Land Niederösterreich
Projektabwicklung: Abt. Kunst und Kultur/Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich
Künstlerisches Konzept: Azra Akšamija
Architektur und Bauführerschaft: Derntl Derntl GmbH und WAY Architecture ZT GmbH
Wissenschaftliche Begleitung: Michael Resch, Tanja Wünsche
Mit finanzieller und inhaltlicher Unterstützung von: Bundesministerium für Inneres (Abteilung III/S/3, Historische Angelegenheiten) und Zukunftsfonds der Republik Österreich
Bilder (7)